Stahlrohr-Herstellungsprozess für Käufer erklärt

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Stahlrohr-Herstellungsprozess für Käufer erklärt

01 Apr 2026

Rohstoffauswahl: Die Grundlage für die Rohrqualität

Der Herstellungsprozess von Stahlrohren beginnt mit der sorgfältigen Auswahl der Rohstoffe, die maßgeblich die mechanischen Eigenschaften, die Maßgenauigkeit und die Eignung des Endprodukts für spezifische Anwendungen bestimmt. Für die Herstellung von geschweißten Stahlrohren ist das Hauptrohmaterial Stahlband – darunter warmgewalzte, kaltgewalzte oder entzunderte und ölbegossene Bänder –, dessen chemische Zusammensetzung und mechanische Eigenschaften durch Normen wie ASTM A36, API 5L oder EN 10025 festgelegt sind. Die Dicke, Breite und Kantenbeschaffenheit des Stahlbands beeinflussen unmittelbar den Umformprozess und die Schweißnahtqualität. Für die Herstellung von nahtlosen Stahlrohren dient ein massiver runder Block als Ausgangsmaterial, der vor den Durchbohrungs- und Walzprozessen auf Schmiedetemperatur erhitzt werden muss.

Herstellung nahtloser Rohre: Vom massiven Block zum hohlen Profil

Das Herstellungsverfahren für nahtlose Stahlrohre erzeugt hohle Profile ohne Schweißnähte und gewährleistet dadurch eine homogene Struktur sowie eine ausgezeichnete Druckfestigkeit. Der Prozess beginnt damit, dass ein massiver runder Block in einem Drehrohrofen auf etwa 1.200 °C erhitzt wird. Der erhitzte Block wird anschließend in eine Durchbohrmaschine geführt, wo ein keilförmiger Dorn durch die Mitte des Blocks gestoßen wird und so eine hohle Hülse bildet, die als Rohblock oder hohler Block bezeichnet wird. Der hohle Block wird dann durch eine Reihe von Walzvorgängen gezogen und im Durchmesser verkleinert, bis der gewünschte Außendurchmesser und die gewünschte Wandstärke erreicht sind – speziell unter Verwendung von Dornwalzwerken (für kleinere Durchmesser) oder Stopfwalzwerken (für größere Durchmesser). Nachfolgende Kalibriervorgänge und Geradeziehprozesse stellen die Maßgenauigkeit sicher, während Wärmebehandlungen wie Normalglühen oder Abschrecken und Anlassen durchgeführt werden können, um die geforderten mechanischen Eigenschaften zu erzielen. Nahtlose Rohre sind speziell für Hochdruckanwendungen konzipiert, darunter der Transport von Öl und Gas, Kesselrohre sowie hydraulische Systeme, bei denen die Integrität der Schweißnaht häufig strengen Anforderungen unterliegt.

Herstellung von geschweißten Rohren: Das elektrische Widerstandsschweißverfahren (ERW)

Das elektrische Widerstandsschweißen (ERW) ist das gebräuchlichste Verfahren zur Herstellung geschweißter Stahlrohre und zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Produktionseffizienz sowie Kosteneffektivität bei Durchmessern von 1/2 Zoll bis 24 Zoll aus. Der Prozess beginnt mit dem Abwickeln und Glätten von Stahlcoils, gefolgt von einer Reihe von Formwalzen, die das flache Band schrittweise zu einem zylindrischen Rohrrohling formen. Sobald die geformten Kanten zusammengeführt werden, wird mittels Induktionsspulen oder Kontakt-Elektroden ein Hochfrequenzstrom angelegt, um die Kanten auf Schweißtemperatur zu erwärmen, ohne den gesamten Querschnitt zum Schmelzen zu bringen. Anschließend werden die erhitzten Kanten unter Druck durch Presswalzen miteinander verschweißt, wodurch eine Feststoffschweißnaht ohne Zusatzwerkstoff entsteht. Die Schweißnaht wird anschließend kalibriert (d. h. innere und äußere Grate werden entfernt), und das Rohr wird in Kalibrierwalzen geführt, um die endgültigen Abmessungen zu erreichen. Eine inline zerstörungsfreie Prüfung (üblicherweise mittels Ultraschall- oder Wirbelstromverfahren) überprüft kontinuierlich während der Produktion die Integrität der Schweißnaht. ERW-Stahlrohre werden breit in der Tragwerksplanung, der Wasserversorgung sowie bei der Förderung von Medien mit mittlerem Druck eingesetzt.

Unterpulverschweißen: LSAW und SSAW für große Durchmesser

Für Rohre mit großem Durchmesser über 24 Zoll sind das Längs-Unterpulverschweißverfahren (LSAW) und das Spiral-Unterpulverschweißverfahren (SSAW) die vorherrschenden Herstellungsverfahren. Bei LSAW-Rohren erfolgt die Herstellung ausgehend von einzelnen Stahlplatten, die mittels Pressbiegevorgängen – wie beispielsweise JCOE (J-förmig, C-förmig, O-förmig, Expansion) oder UOE (U-förmig, O-förmig, Expansion) – zu einer zylindrischen Form gebracht werden. Die Längsnaht wird anschließend mittels Unterpulverschweißen (SAW) von innen und außen verschweißt, wodurch eine vollständige Durchschweißung der Wandstärke mit hochwertigen, fehlerfreien Schweißnähten erreicht wird. Dieses Verfahren erzeugt Rohre mit hervorragender Maßgenauigkeit, Geradheit und Zähigkeit und eignet sich daher ideal für Hochdruck-Öl- und -Gasfernleitungen, Offshore-Konstruktionen sowie Pfahlgründungsanwendungen. SSAW-Rohre hingegen werden hergestellt, indem eine Stahlspule unter einem bestimmten Winkel in eine Formmaschine eingelegt wird, die das Band spiralförmig zu einer zylindrischen Form umformt; die Spiralsaht wird dabei kontinuierlich mittels Unterpulverschweißen (SAW) verschweißt. Dieser Prozess bietet außergewöhnliche Flexibilität bei der Herstellung unterschiedlicher Durchmesser und ist besonders kostengünstig für Wasserfernleitungen, strukturelle Pfahlgründungen sowie Anwendungen mit niedrigem bis mittlerem Druck.

Wärmebehandlung und Endbearbeitung

Nach Abschluss der ersten Umform- und Schweißprozesse unterziehen sich die Stahlrohre einer Reihe von Endbearbeitungsschritten, um ihre mechanischen Eigenschaften, Maßgenauigkeit und Korrosionsbeständigkeit zu verbessern. Zur Erzielung der geforderten mechanischen Eigenschaften wird üblicherweise eine Wärmebehandlung eingesetzt; durch Normalglühen wird die Kornstruktur verfeinert, um die Zähigkeit zu erhöhen, während Abschrecken und Anlassen eine hohe Festigkeit erzeugen, die für anspruchsvolle Betriebsbedingungen geeignet ist. Durch Kalibrierung und Geradrichtung wird sichergestellt, dass die Stahlrohre die strengen Maßtoleranzen erfüllen, die von Normen wie ASTM, API oder EN vorgeschrieben sind. Die Endbearbeitung bereitet die Rohre für die Montage vor Ort vor, z. B. durch Anfasen für Schweißverbindungen, Gewindeschneiden für mechanische Verbindungen oder Nutenfräsen für Kupplungssysteme. Schließlich schützen Oberflächenbehandlungen – wie Ölen, Lackieren oder Feuerverzinken – die Rohre vor Korrosion während Lagerung, Transport und Einsatz.

Qualitätskontrolle und Zertifizierung für Käufer

Für Käufer ist das Verständnis der für Stahlrohre geltenden Qualitätskontrollmaßnahmen und Zertifizierungen entscheidend, um die Zuverlässigkeit des Produkts und die Einhaltung der Projektanforderungen sicherzustellen. Renommierte Hersteller implementieren ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem, das nach ISO 9001 zertifiziert ist, und verfügen über weitere relevante Zertifizierungen wie beispielsweise die API-Q1-Zertifizierung für Produkte im Bereich Öl und Gas oder die ISO-3834-Zertifizierung für Schweißqualität. Während des gesamten Fertigungsprozesses werden Maßgenauigkeit, Schweißnahtintegrität und Oberflächenzustand durch Prozessinspektionen überwacht; an kritischen Prüfpunkten werden Zeugenverfahren vereinbart, damit der Käufer wichtige Prüfungen vor Ort begleiten kann. Die abschließende Produktzertifizierung umfasst einen Werkstoffprüfbericht (Mill Test Report, MTR), der die chemische Zusammensetzung, die mechanischen Eigenschaften sowie die Ergebnisse der zerstörungsfreien Prüfung dokumentiert und somit die Rückverfolgbarkeit vom Rohmaterial bis zum fertigen Stahlrohr gewährleistet. Der Käufer sollte zudem prüfen, ob das Stahlrohr gemäß den jeweils geltenden Normen mit allen erforderlichen Angaben – darunter Abmessungen, Güteklasse, Ofennummer und Herstellerkennzeichnung – gekennzeichnet ist, um sicherzustellen, dass das gelieferte Produkt den Spezifikationsanforderungen entspricht und mit Vertrauen für den vorgesehenen Einsatz verwendet werden kann.